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Prototyp der AR-Datenbrille für industrielle Anwendungen
© Fraunhofer FEP, Foto: Claudia Jacquemin

Prototyp der AR-Datenbrille für industrielle Anwendungen

Augmented Reality in der Arbeitswelt


Projekt Glass@Service erfolgreich abgeschlossen


Augmented Reality (AR) ist in der Arbeitswelt angekommen: Ein Konsortium aus sechs Unternehmen und Institutionen unter Leitung von Siemens hat in den vergangenen drei Jahren zu AR in der Industrie geforscht. Ziel des Glass@Service genannten Projekts war es, intelligente Datenbrillen durch die Verbindung mit neuartigen Interaktionsmöglichkeiten wie beispielsweise Augen- und Gestensteuerung sowie mit innovativen IT-Dienstleistungen als personalisierte Informationssysteme einsetzen zu können. Erste Praxistests in realen Produktions- und Logistik-Prozessen wurden jetzt erfolgreich abgeschlossen.

Die Digitalisierung durchdringt die Fertigungen immer stärker. In einigen Bereichen, vor allem beim Umrüsten von Maschinen und Kommissionieren von Aufträgen, arbeiten Mitarbeiter jedoch häufig noch mit ausgedruckten Listen, drucken Etiketten auf Vorrat für die Kennzeichnung von Material und erfassen am Ende aufwändig alle Daten im Warenwirtschaftssystem. Deshalb wird bereits seit mehreren Jahren untersucht, inwiefern AR in diesen Bereichen zum Einsatz kommen könnte. Aber erst jetzt sind die dafür erforderlichen technologischen Komponenten wie Micro-Displays, Controller-Elektronik, 3D-Kameras und Sensoren so ausgereift, dass sie zu einer neuartigen Mensch-Maschinen-Interaktion kombiniert und in die IT-Landschaft einer Fabrik integriert werden können. „Siemens möchte diese Veränderung der Arbeitswelt von Anfang an mitgestalten“, erklärt Frank-Peter Schiefelbein vom Konsortialführer Siemens.

Im Zusammenhang mit dem öffentlich geförderten Projekt Glass@Service haben die Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP ein neues „720p Mikrodisplay“ entwickelt, das sich durch hohe Bildraten und hohe Kontrastverhältnisse auf Basis der OLED-auf-Siliziumtechnologie auszeichnet. Neben einer Auflösung von 1280 x 720 Pixeln bei einer Bildschirmdiagonale von 0,64 Zoll bietet es gleichzeitig einen geringen Stromverbrauch und erfüllt damit ein wichtiges Kriterium für AR-Anwendungen. Die Praxistests fanden im Siemens Elektronikwerk Amberg und am Manufacturing-Standort Fürth statt. Je nach Einsatzgebiet muss die Software des AR-Systems speziell auf die Anforderungen zugeschnitten sein. In der Logistik geht es vor allem darum, den Mitarbeitern mithilfe der tragbaren Endgeräte Orientierungshilfen im Lager zu geben und die Produkte fehlerfrei zu identifizieren, zu markieren und im Warenwirtschaftssystem online zu bearbeiten. Beim Umrüsten oder der Wartung von Maschinen kann die Datenbrille wertvolle Dienste leisten, indem sie jeden Arbeitsschritt über das Display einblendet und dabei den Mitarbeiter in der Bedienung von Maschinen unterstützt. Mit sogenannten Eye-Tracking-Kameras werden die Augenbewegungen erfasst. So kann mit dem System durch bewusste Steuerung der Blickrichtung interagiert und beispielsweise ein Datenblatt gescrollt werden.
Neben Siemens waren am Forschungsprojekt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), das Fraunhofer FEP sowie die Firmen DIOPTIC GmbH, Ubimax GmbH und UVEX Arbeitsschutz GmbH beteiligt. Glass@Service wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.

Die in den Siemens-Werken untersuchten AR-Anwendungsmöglichkeiten werden in internen Projekten weiterverfolgt und sollen mittelfristig produktiv geschaltet werden. Um auf der Basis der bisherigen Erfahrungen weitere Einsatzgebiete von Augmented Reality in Fertigung und Service untersuchen zu können, sollen weitere Forschungsvorhaben folgen.